BARRIEREFREIHEIT

Das "Millenniums-Projekt" ‒ eine europäische Anforderung

Das "Millenniums-Projekt" der Europäischen Gemeinschaft sieht vor, PDF-Dateien für Blinde und Sehbehinderte so aufzubereiten, dass je nach Grad der Behinderung die Texte problemlos auf dem Bildschirm vergrößert, in den Texten über die Tastatur navigiert und sie über entsprechende Zusatzsoftware vorgelesen werden können.

Wir unterstützen Sie bei der Umsetzung dieser Anforderung ‒ von der Beratung bis hin zu automatisierter PDF-Erstellung.

Die Grundlage

Die Basis für Barrierefreiheit im Bereich der Informationstechnik ist die
"Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz" (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz)

Diese Verordnung basiert auf dem "Milleniums-Projekt" der Europäischen Gemeinschaft und sieht vor, PDF-Dateien für Blinde und Sehbehinderte so aufzubereiten, dass je nach Grad der Behinderung die Texte problemlos auf dem Bildschirm vergrößert, in den Texten über die Tastatur navigiert und sie über entsprechende Zusatzsoftware vorgelesen werden können.

Anmerkung:
Das über die o.g. Website des Bundesministeriums erhältliche Gesamt-PDF-Dokument dieser Verordnung ist nicht barrierefrei!

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Die Zielsetzung

BIK-Projekt (gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales):

"Als barrierefreies PDF gilt:
* ein PDF, zu dem eine gleichwertige, barrierefreie HTML-Alternative zur Verfügung steht,
* ein PDF, das mithilfe eines auf der Webseite hierfür bereitgestellten Konvertierungsprogramms in ein gleichwertiges, barrierefreies HTML-Dokument umgewandelt werden kann oder
* ein PDF, das auf Grundlage seiner Tag-Struktur direkt zugänglich ist."

(Auszug aus: testen.bitv-test.de/index.php?a=di&iid=1125&s=n ‒ hier der Gesamtüberblick über die Testkriterien)

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HTML vs. PDF

"Grundsätzlich gibt es keinen Grund, in Sachen Barrierefreiheit niedrigere Anforderungen an PDFs zu stellen als an entsprechende HTML-basierte Angebote. Daher decken sich die Anforderungen an die Zugänglichkeit von PDFs in weiten Teilen mit den Anforderungen an HTML-Seiten. So werden beispielsweise die Strukturierung mit Überschriften-, Absatz- und Listen-Elementen, die korrekte Auszeichnung von Tabellen und die Bereitstellung von aussagekräftigen Alternativtexten bei PDF-Dokumenten genau so geprüft, wie bei HTML-Seiten.
Dennoch wäre es derzeit unrealistisch, bei der Prüfung von PDFs einen genau so hohen Maßstab anzulegen wie bei HTML. Die Prüfanforderungen wären dann praktisch nicht erfüllbar ‒ teils wegen mangelhafter Erstellungssoftware, teils wegen mangelnder Erfahrung seitens der Webanbieter.
Deshalb werden im BITV-Test deutlich niedrigere Anforderungen an PDF-Dokumente gestellt als an HTML-Seiten:
Wegen unzugänglicher PDFs können im BITV-Test maximal 3 Punkte abgezogen werden.
Für HTML-Seiten gelten knapp 50 Prüfschritte, für PDF-Dokumente gibt es derzeit nur 10.
Es werden nur wichtige und mit vertretbarem Aufwand erfüllbare Basis-Anforderungen an Barrierefreiheit geprüft. Anforderungen, die derzeit nur sehr schwer zu erfüllen sind (wie beispielsweise die Auszeichnung andersprachiger Wörter), sind nicht Bestandteil des Tests.
Besonders aufwändig ist oft die nachträgliche barrierefreie Aufbereitung von PDFs. Für viele Anbieter ist es in der Praxis kaum möglich, alle bereits vorhandenen PDFs nachträglich zugänglich zu machen. Auch das wird im BITV-Test berücksichtigt: Wer neu eingestellte PDFs in barrierefreier Form anbietet und den Benutzer klar und verständlich darüber informiert, welche PDFs zugänglich sind und welche nicht, kann den Prüfschritt trotz umfangreicher "PDF-Altlasten" voll erfüllen.
Klar muss aber sein: auch bei PDFs ist die Barrierefreiheit nicht zum Nulltarif zu haben.
* Schon bei der Erstellung von Dokumenten müssen die Anforderungen der Barrierefreiheit berücksichtigt werden. Redakteure müssen entsprechend qualifiziert sein, Arbeitsabläufe müssen möglicherweise umgestellt werden.
* Geeignete Software für die Konvertierung in das PDF-Format muss beschafft werden. Wenn es die nicht gibt, muss per Hand nachgearbeitet werden.
* Je komplexer und aufwändiger gestaltet ein PDF-Dokument ist, desto schwieriger ist es, alle Anforderungen des BITV-Tests zu erfüllen."

(Aus: www.bitvtest.de/infothek/artikel/lesen/pdf-fragen-antworten.html)

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Die Lösung

X1-Publishing OHG berät Sie, wie Sie barrierefreie PDF-Dokumente erzeugen können.

Ein reibungsloser Produktionsablauf lässt sich unter zwei Voraussetzungen realisieren:

  • einer von vorne herein strukturierten Datenbasis: XML
  • einer Layoutsoftware, die solche Daten direkt verarbeiten kann und in der Lage ist, "Tag-Strukturen" unmittelbar in das PDF zu integrieren.

Wir beraten Sie gerne, wenn Sie wissen möchten, welche Mittel hier zur Verfügung stehen.

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PDF-Standard-Tags

Für die Vergabe von PDF-Tags empfiehlt es sich, auf die Standard-Tags zurückzugreifen, da diese Elemente unmittelbar von Adobe Acrobat erkannt werden. Hier stehen Tags innerhalb verschiedener Kategorien zur Verfügung:

  • Block-Elemente (z.B. <Document>, <Part>)
  • spezifische Block-Elemente wie Inhaltsverzeichnis (<TOC>) oder <Index>
  • Absatz-Elemente für Überschriften (<H1>, <H2> etc.) oder Textabsätze (<P>)
  • Listen-Elemente für geordnete oder ungeordnete Listen
  • Tabellen (<Table>, <TR>, <TD> etc.)
  • Inline-Elemente z.B. für Fussnoten (<Note>) oder Links
  • Abbildungs-Elemente (z.B. <Figure>)

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Konkrete Anwendung

Absätze

Ein XML-Element <title>… </title> wird immer mit einem einheitlichen PDF-Tag versehen. Dabei kann ein Standard-PDF-Tag wie <H1> oder ein freies Tag <Ueberschrift> hinterlegt werden.

Ob das <title>… </title> mit H1 oder H2 im PDF hinterlegt wird, kann durch das Auslesen der hierarchischen Position des title-Elements im XML gesteuert werden:

  • „publ/section/title“ kann mit <H1> hinterlegt werden.
  • „publ/section/section/title“ kann mit <H2> hinterlegt werden.

Alle XML-Elemente, die als normale Textabsätze behandelt werden, können mit einheitlichen oder spezifischen PDF-Tags hinterlegt werden.

Listen

Listen können automatisch als geordnete oder ungeordnete Listen erkannt und entsprechend mit PDF-Tags hinterlegt werden.

Tabellen

Gleichgültig, ob Sie HTML-, CALS- oder ganz anders ausgezeichnete Tabellen verwenden: Durch den Einsatz von XML können Tabellen jeglicher Art korrekt mit PDF-Tags hinterlegt werden.

Sprachauszeichnung

Die Sprachdefinition kann für das ganze Dokument oder für jeden Absatz einzeln hinterlegt werden. Somit können auch mehrsprachige Dokumente mit der notwendigen Sprachkennung ausgezeichnet werden. Eine entsprechende logische Auszeichnung im XML wird dabei vorausgesetzt, z.B. mittels Sprachattribut.

Logische Lesereihenfolge

Durch den Einsatz von XML wird die Lesereihenfolge bereits im Inhalt definiert und dem PDF mitgegeben werden.

Umfließen

Diese für Sehbehinderte wichtige Funktion innerhalb von Adobe Acrobat bewirkt, dass der Text vorübergehend, d.h. unabhängig von der tatsächlichen Spaltenzahl, als einzelne Spalte in der Breite des Dokumentfensters angezeigt wird. Durch Umfließen der Anzeige kann das Dokument auf kleinen Bildschirmen von Mobilgeräten oder auf Standardmonitoren bei starker Vergrößerung leichter lesbar gemacht werden, ohne dass für jede Zeile ein horizontaler Bildlauf durchgeführt werden muss. In dieser Darstellung wird nur lesbarer Text angezeigt; zudem werden nur Seiten umflossen, die ausschließlich Text, nicht aber zugleich Bilder enthalten.

Alternativtexte für Bilder

Im XML-Text hinterlegte Bilder können mit einem Alternativtext hinterlegt werden. Dieser Alternativtext wird innerhalb des XML-Textes erfasst und nur im späteren PDF für den Leser dargestellt, wenn er die Grafik mit der Maus markiert. Der Alternativtext kann – wie eine Bildlegende – aus einer Datenbank stammen und automatisiert an das PDF weitergegeben werden.

Lesezeichen

Lesezeichen („Bookmarks“) können aus dem XML ausgelesen werden und im PDF automatisch eingebettet werden. Die Lesezeichen können auch hierarchisch ausgegeben werden.

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